Die verspielte Idee der antiautoritären Pädagogik Wirkliche Freiheit, kein Freiheits-Blabla

Die antiautoritäre Pädagogik ist ein Bruch mit dem System „LehrerIn befiehl, SchülerIn gehorche, sonst lernst du nichts“.
Wissen soll nicht in Menschen hineingezwängt werden, wenn es sie nicht interessiert, Verhaltensweisen sollen nicht andressiert werden, moralische Normen sollen nicht unhinterfragt bleiben. Stattdessen soll die natürliche Kreativität und Wissensfreude des Menschen nicht gehemmt sondern unterstützt werden. Beim Lernen soll er nicht alleine gelassen werden. Stattdessen stehen dem Lernenden Helfende zur Seite, die erwachsen oder noch Kind sein können. Immerhin lernt der Mensch immer. Kinder können von Erwachsenen genauso lernen wie Erwachsene von Kindern. Bevormundung ist Tabu. Es soll keine Machtdifferenz geben, also keine Herrschaft. Darin liegt der Unterschied zur Laissez-faire: Kind und ErwachseneR dürfen tun, was sie wollen, aber nur sofern sie die Freiheit des anderen nicht einschränken. Die antiautoritäre Pädagogik soll dieses Miteinander erfahrbar machen. Ein Recht zu strafen gibt es nicht, aber eine Pflicht zu erklären.
Die antiautoritäre Pädagogik ist ein durch und durch anarchistischer Ansatz und wurde auch in diesem Zusammenhang ausprobiert: In den durch AnarchistInnen der Confederatión National del Trabajo (CNT) über mehrere Monate von den Franco-Faschisten befreiten Gebieten während des Spanischen Bürgerkriegs. Das Konzept tauchte in Deutschland und Italien durch Maria Montessori und in der von den 68ern begonnen Kinderladenbewegung als sozialistische Pädagogik auf. Und es findet sich heute in zahlreichen freien Schulen selbst in Deutschland wieder.

Die autoritäre Schule heute
Wenn Schülis Probleme in der Schule haben, schieben sie die Schuld meist auf die Lehris. Umgekehrt machen diese meist Schülis verantwortlich. Woran liegt das? Macht der Altersunterschied eine Verständigung einfach unmöglich oder gibt es einen grundsätzlichen Fehler im Verhältnis zwischen Lehris und Schülis?
Es fängt damit an, dass Schülis Lehris siezen müssen und endet mit der einseitigen Notenvergabe. Die Folge dieses autoritären Verhältnisses ist ein starrer Frontalunterricht, der nicht nur einen Großteil der Schülis langweilt sondern auch pädagogisch wertlos ist.
So könne mensch z.B. einer vortragenden Person nur sieben Minuten zuhören bevor die Gedanken automatisch abschweifen. Auch fördert eine so lehrerfixierte Unterrichtsform nicht die freie Diskussion der Schülis untereinander sondern führt dazu, dass sie nur versuchen zu erraten, was die Lehris hören wollen.
Zudem bestehen die Lehrpläne zum Großteil aus alltagsfernen Inhalten, die nicht auf das spätere Leben vorbereiten. Obwohl viele Schülis bereits sicher sind, dass sie keinen naturwissenschaftlichen Beruf erlernen wollen, sind sie gezwungen sich chemische Formeln und abstrakte mathematische Sachverhalte anzueignen. Als Begründung wird meist angeführt, dass dies zur Allgemeinbildung gehöre. Doch dies ist doch nur ein willkürlich festgelegter Bildungskanon, den alle Schülis abseits von Interessen lernen müssen.
Die Folgen dieses Zwangs sind offensichtlich: Es wird nicht nur die ursprüngliche Freude am Lernen und das Interesse an einem sonst durchaus interessanten Stoff zerstört, sondern jegliches effektives Lernen verhindert.
Deshalb halten wir den Zwang für den grundsätzlichen Fehler des Bildungssystems. Wir sind davon überzeugt, dass alle Kinder von Natur aus neugierig sind und von sich aus alles lernen wollen, was sie wirklich brauchen. Und alles darüber hinausgehende ist für sie nur dann wissenswert, wenn sie es wissen wollen. Fazit: Motiviertes Lernen ist in der etablierten Schule nicht möglich.
Aber dazu brauchen wir eine andere Schule.

Antiautoritäre Pädagogik in der jetzigen Gesellschaft
Ein Versuch vermindert autoritärer Pädagogik ist die Waldorfschule: Es wird mehr Gewicht auf das soziale Miteinander von Schülis und Lehris gelegt, es gibt keine Noten außer zum Schulabschluss und der Unterricht ist projektorientiert mit methodischem Schwerpunkt nicht nur auf dem Denken sondern auch auf Handwerk und Kunst. Dennoch gibt es aber einen festgelegten Lehrplan und eine Bewertung der Schülis, das heißt auf dem Zeugnis wird ihre Mitarbeit mit Worten beschrieben und die Punktzahl in der Abschlussprüfung vermerkt. Die zugrunde liegende Anthroposophie Rudolph Steiners ist esoterisch, wird aber in vielen Waldorfschulen bis auf die Eurythmie (Bewegungen zu Musik und Rhythmus) nicht mehr ausgeprägt praktiziert.
Die Montessori-Schule, gegründet von Maria Montessori, ist da antiautoritärer: Nach dem Motto „Hilf mir, es selbst zu tun“ soll die Schule auf Talente und Bedürfnisse der Schülis eingehen. Dies geschieht, indem die Kinder in einer kindgerechten und zur Erkundung einladenden Umgebung selbst entscheiden, wann sie was mit wem lernen wollen. Zum Beispiel sind alle Möbel und Materialien in Kindergröße und den Kindern komplett frei zugänglich. Standards wie Lehrpläne sind unerwünscht. Dennoch gibt es keine Mitbestimmungsrechte der Schülis am Lehrbetrieb.
Das ist in der demokratischen Schule anders. Dort gibt es wöchentliche Schulversammlungen von Schülis, Lehris und Eltis, auf denen schulinterne Regeln aufgestellt und Entscheidungen getroffen werden. Auch hier existieren keine Noten, außerdem keine Klassen und keine festgelegten Fächer. Da die Schule nach ihrem Konzept auch auf Anwesenheitspflicht verzichtet, gibt es bei demokratischen Schulen immer wieder harte Kämpfe um die staatliche Anerkennung. Der Unterricht ist wie bei Montessori-Schulen projektbasiert. Material, Räume, Themen und Lehris, die MitarbeiterInnen heißen, werden den Schülis als Lernumgebung zur Verfügung gestellt oder nach ihrem Wunsch geschaffen. Neben vielen anderen weltweit sind Summerhill in Südengland und die Ting-Schule in Berlin-Pankow Beispiele für dieses Schulkonzept.
Aber in der aktuellen Gesellschaft gibt es auch Einschränkungen für antiautoritäre Bildungskonzepte: Der Staat finanziert nur Schulen der etablierten autoritären Form voll aus. Schulen mit alternativen Lehrkonzepten müssen sich oft über Schulgebühren finanzieren, daraus folgt soziale Selektion. Besser wäre es, wenn der Staat jeder Schule vorbehaltlos Geld zur Verfügung stellen würde, damit ein allseitig kostenloses Schulsystem allen zur Verfügung steht, in welchem die Schulen ihre Programme autonom und demokratisch mit Kindern, Lehris und Eltis aufstellen.
Das Problem aller Schülis ist, dass unsere Gesellschaft eine Konkurrenzgesellschaft ist, die fordert, dass sie überall vergleichbar sein müssen, was durch Benotung erzwungen wird. Ungeachtet der Tatsache, dass Noten diesen Zweck gar nicht erfüllen können, weil sie nämlich nicht angewandtes Wissen oder Leistungsfähigkeit vergleichen sondern nur Kurzzeitspeichervermögen testen (denn RAM ist weder Festplattenspeicher noch Prozessorleistung), werden antiautoritäre Schulen von vornherein dem Leistungsdruck angepasst.

Die freie Schule in der freien Gesellschaft
Da die freien Schulen in unserer heutigen Gesellschaft nicht fähig sind vollständig antiautoritär zu sein, wird nun eine freie Schule beschrieben, die in einer freien Gesellschaft existiert.
Eine freie Gesellschaft definiert sich hauptsächlich dadurch, dass die Menschen unter kleinstmöglichem Zwang durch Mitmenschen, sozialen Normen und Autoritäten stehen. Charakteristisch für die freie Gesellschaft ist, dass sie das Entstehen von autoritären Strukturen systematisch verhindert anstatt sie zu reproduzieren. Es existieren keine Abhängigkeiten durch Formen der Ausbeutung aufgrund von Kapitalismus, Herkunft, Ethnie, angeborene Privilegien, sozialer Herkunft, Staatsangehörigkeit usw.
In der freien Schule wird niemand gezwungen etwas zu verinnerlichen, kein Wert auf „eingeprügeltes Wissen“ gelegt.
In einer Freien Schule haben Menschen jeden Alters die Möglichkeit sich nach Interesse weiterzubilden.
Es gibt keine Lehris im heutigen Sinne. Alle Menschen haben die Möglichkeit, sich in ihr selbst weiterzubilden und ihr Wissen an andere weiterzugeben.
In diesem öffentlichen Raum wird der Austausch zwischen Menschen gefördert. Sie sammeln Material und Informationen, stellen dies wiederum allgemein zur Verfügung. Dort kann sich jedeR am Lehren und Lernen beteiligen – von Fünfjährigen bis zu WissenschaftlerInnen. So können Schülis Seminare organisieren und besuchen sowie Lerngruppen bilden, für die dann, Raum, Materialien und auf Wunsch GruppenhelferInnen zur Verfügung gestellt werden.
Dieser geschaffene Raum soll eine Art gesellschaftliches Wohnzimmer sein, wo es die Möglichkeit des selbstbestimmten Lernens gibt. Das Wohnzimmer ist ein geschützter Raum, der nicht von anderen Menschen dominiert werden kann sondern von allen getragen wird und jedem Zugang bietet. Lernen ist nicht der Mittelpunkt, denn dieses Wohnzimmer soll den Menschen Raum zur Entfaltung geben, sei es durch Pflegen ihrer sozialen Kontakte oder Ausleben ihrer schöpferischen Tätigkeiten ohne geprüft und bewertet zu werden!





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